Auf dem Weg wohin? Asylsuchende in der Ortenau

Zu diesem Thema trafen sich am vergangenen Freitag in den Illenau- Werkstätten in Achern Flüchtlinge, Helfer und unsere Kommunalpolitiker  Norbert Großklaus, Stadtrat und Kandidat für die Bundestagswahlen im September und  der Kreisverbands- und Fraktionsvorsitzende im Kreistag Alfred Baum.

Norbert W. Großklaus moderierte den Abend, behutsam und zielgerichtet:

 

Zugewanderte und Flüchtlingshelfer aus vielen Gemeinden und der Region waren gekommen, um selbst mitzureden und von den eigenen Erfahrungen zu berichten. Doch auch die fünf Personen  auf dem Podium hatten Wichtiges zu erzählen. „Es wird eine besser Integration möglich, wenn die Kriege im arabischen Raum enden und die Menschen wieder in Frieden und mit einem freien Kopf leben können“, sagte Wasim Almahmoud aus Syrien, dessen Eltern und Geschwister in Flüchtlingslagern an der Grenze zur Türkei darauf warten, in ihre Heimat zurückkehren zu können. „Nur wenn man sich gegenseitig annehme, werde man ein friedliches Miteinander haben“, appellierte Serin Celik, kurdische Flüchtlingshelferin aus Renchen .

Mehr Geduld und mehr Offenheit auf beiden Seiten wünscht sich Monika Huber, Mitbegründerin des Arbeitskreises Migration in Achern und Vorsitzende des Vereins zur Unterstützung der Integrationarbeit. Von vielen  positiven Erfahrungen  konnte Alfred Baum berichten, der gleichzeitig jedoch betonte, dass er mitunter als Helfer von mehreren  jungen Männern aus dem Iran an deren Grenzen stößt.  „Bei einigen Flüchtlingen fehle es am notwendigen Willen und der gebotenen Lernbereitschaft für die deutsche Sprache.

Von teilweise schlimmen Erlebnisberichten von Hilfesuchenden aus deren Heimat und auf der Flucht nach Deutschland  erzählte die engagierte Helferin Ursula Bengel , jedoch konnte sie auch von vielen  Erfolgsgeschichten  aus ihrer Zeit als Mitarbeiterin  in der BEA im ehemaligen Hotel Bel Air in Sasbachwalden berichten. Zu vielen der damals in der bedarfsorientierten  Landeserstunterbringung vorübergehend Wohnenden habe sie noch heute regen Kontakt und einige darunter seien auch schon in ihrer neuen Heimat gut angekommen und in Kindergärten, Schulen, Vereinen und Unternehmen integriert.

Ein Sozialarbeiter aus den Zuschauerreihen merkte an: „Das Bundesamt für Migration muss seine Entscheidungen  transparenter machen. Die Menschen wollen durchstarten in ein neues Leben“. Eine Zuhörerin erinnerte daran, dass man bezahlbaren Wohnraum für die neuen Bürger brauche, genau wie für die vielen sozial schwächer Gestellten in unseren Gemeinden. Ein junger Flüchtling sagte:“ Es ist oft nicht einfach, die Erlebnisse zu verarbeiten. Dazu noch gegen eine Abschiebung zu klagen, das ist für viele zu schwer“.  Andere Zuhörer kritisierten die zentrale Bearbeitung aller Fälle im Landratsamt in Offenburg und wünschten sich dringend, die Dinge auch in Achern erledigen zu können. Als unzureichend beschrieb ein Helfer die Kenntnisse der Mitarbeiter im Jobcenter der KOA bei der Vermittlung von Menschen mit einem Hochschulabschluss. Es könne doch nicht sein, dass eine Akademikerin zur Kassiererin bei Aldi ausgebildet wird.

„Im Vergleich zu vielen anderen Städten und Landkreisen ist es in der Ortenau sehr gut gelaufen“, versuchte Alfred Baum die wachsende Unzufriedenheit zu relativieren, „die inzwischen neu geschaffenen Strukturen mit über 100 neuen Arbeitsplätzen im Landratsamt, davon mehr als die Hälfte der Flüchtlingshilfe direkt zuzuordnen,  zeigen immer deutlicher ein positive Wirkung und man werde an weiteren Verbesserungen arbeiten.“

Norbert Großklaus bedankte sich zum Schluss bei allen Mitwirkenden und dem Publikum für deren ehrenamtliches Engagement, das einen  großen Anteil am bisherigen guten Gelingen  der Integrationsarbeit  in der Ortenau hat.

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