Den Schultag später starten?

„Forscher der Universität Basel haben ca. 2700 Schüler/innen zwischen 13 und 18 Jahren nach ihren Schlafgewohnheiten befragt und fanden heraus: Jugendliche, deren Unterricht um 8 Uhr anfängt, folgen dem Unterricht aufmerksamer als jene, die schon um 7.40 in der Schule sein müssen.“ (W. Schmidt, s. Anhang)

Ein früher Schulbeginn ist weder gesetzlich vorgeschrieben noch naturgegeben. Im Gegenteil: Ein Start um 7.40 ist für die meisten Kinder und Jugendlichen zu früh und widerspricht ihrem Biorhythmus. Darauf haben Mediziner, Psychologen und Pädagogen in den letzten Jahren oft hingewiesen und eine Diskussion um die Frage: Späterer Beginn des Schultags gefordert (Anhang).

Ich habe in meinem Umfeld Meinungen zum späteren Schulbeginn erfragt – mit vielen positiven Antworten (Anhang); allerdings muss die Betreuung der Kinder Berufstätiger sichergestellt sein.

An einzelnen Offenburger Schulen wird ja bereits über den späteren Schulbeginn nachgedacht und gehandelt. An den Grundschulen fangen die Erst- und Zweitklässler in der Regel um 8.30 an.

Ist es aber auf Dauer wirklich sinnvoll, den früheren und späteren Beginn des Schultages nur an den einzelnen Schulen zu regeln und am Schluss einen Flickenteppich unterschiedlicher Schulanfänge zu haben, der in seiner Vielfalt für manche Familien, für manche Schulen und für die schulischen Rahmenbedingungen (Busfahrpläne) ein Problem darstellen kann? Ist es sinnvoll, dass die eine Grundschule um 8.15 anfängt, die andere(n) um 7.40; dass an einer Grundschule der Halbtagszug um 7.40 anfängt, der Ganztagszug erst um 8.30? Warum sollen nur Erst- und Zweitklässler/innen um 8.30 anfangen, nicht aber die Dritt- und Viertklässler/innen oder jugendliche Schüler, v.a. wenn sie lange Schulwege, z.B. aus dem Umland, auf sich nehmen?

Wäre es nicht sinnvoll, diese Frage für alle Schulen und SchülerInnen der Stadt aufzuwerfen?

Ich bin zwar selbst Frühaufsteher, tendiere aber zu einem späteren Unterrichtsbeginn – begründet auch mit den Erfahrungen aus meiner Unterrichtspraxis. Allerdings weiß ich um die Probleme: Berufstätigkeit der Eltern, Verschiebung des Schultags in den Nachmittag, Wahrnehmung außerschulischer Aktivitäten und Freizeitangebote, Busfahrpläne etc.

Als Stadtrat interessiert mich die Meinung der Betroffenen, die sich hoffentlich zahlreich äußern. Und es interessiert mich, ob sich ein sachlicher Meinungsaustausch ergibt, an dessen Ende möglicherweise eine Veränderung der bestehenden Schulzeiten steht.

Stefan Böhm, Sonderschullehrer und Grünen-Stadtrat in Offenburg

Anhang:

Wissenschaftliche bzw. öffentliche Diskussion

SchultagSpäterStartenAnhangUmfrage

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