Jürgen Trittin zu Besuch beim 38. Digitalen Stammtisch

 

Gast unseres 38. Digitalen Stammtisches am 15. Dezember 2020 war Jürgen Trittin MdB. Seinen Impulsvortrag widmete er dem Thema „erneuerbare Energien“, anschließend ging er auf Fragen der Zuhörer ein.

Die Dringlichkeit der Klimakrise steht für Jürgen Trittin außer Frage, wobei sich die Menschheit seiner Meinung nach auf keinem guten Weg befindet. Führten wir uns vor Augen, dass die Hälfte des in der Atmosphäre gespeicherten Treibhausgasdepots in den letzten 30 Jahren eingelagert wurde, so verdeutliche dies die Spanne zwischen wissen und nicht handeln. In diesem Zusammenhang verwies er auf den seiner Auffassung nach sehr zutreffenden Spruch „Machen ist wie wollen, nur krasser!“.

Jürgen zeigte sich besorgt, dass die Klimakrise sich stark beschleunigt habe. Die UN-Klimakonferenz gebe es seit 25 Jahren und man könne feststellen, dass manche Prognosen 50 Jahre früher eingetreten seien als zu Beginn vorhergesagt. Dies gelte z.B. im Hinblick auf das Schmelzen der Gletscher, nicht reversible Prozesse in den sibirischen Permafrostböden, den Verlust an Wetland und die anhaltende Deforestierung. Diese Situation habe vor fünf Jahren zum Pariser Klimaabkommen geführt mit dem Ziel, die Erderwärmung auf 2°C, besser 1,5°C zu beschränken. Jedoch sei dieses Vorhaben bis heute nicht mit Zusagen bezüglich der Reduktion valide unterlegt worden. Wäre uns dieses Ziel ernst, so müssten 80 % der heute bekannten Vorräte an Öl, Kohle und Gas unter der Erde bleiben.

Der Bundestagsabgeordnete verwies darauf, dass es Zeiten gegeben habe, in denen Deutschland Vorreiter beim Klimaschutz war. Fast 16 Jahre Große Koalition hätten nun aber dazu geführt, dass selbst die Kanzlerin ihre Anstrengungen beim Klimaschutz rückblickend als „pillepalle“ bezeichne. Jürgen ergänzte, dass ohne die von Rot-Grün eingeleitete Energiewende, Deutschland heute noch schlechter dastünde. Damit wollte er verdeutlichen, dass mit strukturellen Veränderungen durchaus etwas erreicht werden kann.

Im Hinblick auf den Immissionshandel führte Jürgen Trittin an, dass inzwischen die Herausgabe von Zertifikaten nicht mehr zum Nulltarif erfolge. Darüber hinaus sei mit dem Green Deal eine weitere Verknappung europäischer Zertifikate vorhersehbar. Dass der Immissionshandel heute wirke, zeige die Tatsache, dass zwei Kraftwerke nach nur 5 bzw. 6 Jahren Laufzeit wieder vom Netz genommen worden seien.

In der nächsten Legislaturperiode brauche es Mut, notwendige Veränderungen durchzusetzen. Wenn wir 2050 klimaneutral sein wollen, dann müssten wir in Deutschland bis 2030 mindestens 2/3 der Treibhausgase einsparen. Um dies zu erreichen, müsste bis dahin unsere Stromversorgung komplett klimaneutral, eine erneuerbare Wasserwirtschaft aufgebaut und auch Gebäude saniert worden sein. Außerdem dürften nach 2030 keine fossilen Verbrennungsmotoren mehr neu zugelassen werden. Die damit einhergehende Elektrifizierung habe zur Folge, dass der Strombedarf 2030 ungefähr 50 % höher liegen werde als heute. 2020 sei fast 50 % unseres Stroms erneuerbar erzeugt worden, um das zu erreichen hätten wir aber 20 Jahre gebraucht. In den kommenden 10 Jahren müssten wir somit doppelt so viel Produktionskapazität ans Netz bringen, wie es in den letzten 20 Jahren der Fall war. Dies erfordere natürlich auch den Ausbau leistungsfähiger Netze.

Jürgen Trittin ergänzte, dass die Grünen auf erneuerbaren Wasserstoff setzten, dieser aber sehr teuer sei und einen hohen Strombedarf impliziere. Erneuerbarer Wasserstoff müsse somit für Bereiche reserviert werden, in denen es keine Alternative gebe.

Abschließend verwies Jürgen darauf, dass der vollständige Umstieg auf erneuerbaren Strom sowie das Erreichen der Klimaziele nur gelingen kann, wenn die Bürgerinnen und Bürger daran beteiligt sind. Er wünschte allen Zuhörer*innen schöne und ruhige Festtage, auf dass im neuen Jahr fleißig auf ein klimaneutrales Europa bis spätestens 2050 hingearbeitet werde.

Wir bedanken uns bei Jürgen Trittin für seinen Besuch bei unserem 38. Digitalen Stammtisch.

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