Wespennest im Gemeinderat – Ein Beitrag von Dr. med. Annette Steinhausen, Mitglied der Grünen Gemeinderatsfraktion Offenburg

Offenblatt, 23.11.2025

Die Entscheidung zu einem Gewerbegebiet auf dem Flugplatzgelände zöge sich wie Kaugummi, so die Einleitung zur Sitzung.  Wir erlebten sie wie einen Tritt ins Wespennest.

Wir sind keineswegs gegen ein umweltschonend gestaltetes neues Gewerbegebiet, wenn es dem tatsächlichen Bedarf der ansässigen Unternehmen entspricht und sich in den bestehenden Gewerbegebieten keine entsprechenden Flächen mehr bereitstellen lassen. Wir sind auch sicher nicht gegen Bürgerentscheide, wenn die Informationslage dafür ausreichend ist. Und wir verteidigen auch keinen Flugplatz. Aber wir folgen dem Ansinnen der Landesregierung, Flächenverbrauch so weit wie möglich zu reduzieren und Nachverdichtung zu fördern. Denn Neuversiegelung auf der grünen Wiese hat unvermeidlich Klimaauswirkungen, auch lokal, bei uns speziell auf die Temperaturen und den Verlauf des Windes.

Warum die plötzliche Eile dieser weitreichenden Entscheidung? Das mit Landesmitteln in Auftrag gegebene Flächengutachten vorhandener Offenburger Gewerbegebiete ist in wenigen Monaten zu erwarten. Der Bedarf der interessierten Unternehmen hinsichtlich ihrer Anzahl, Flächenwunsch und Umsetzungspläne liegt uns trotz mehrfacher  Anfrage ebenfalls nicht vor.

Interessieren würde auch die Flächenpotentialanalyse des Regionalverbands Südlicher Oberrhein. Insgesamt 1323 Hektar potenzielle Gewerbeflächen seien im Bestand der Region ermittelt und die Daten den Kommunen kürzlich zur Verfügung gestellt worden.

Wir haben folglich eine Verschiebung der Entscheidung im Gemeinderat und des Bürgerentscheids beantragt, um die dafür notwendigen Informationen abzuwarten. Zudem wünschten wir eine Umformulierung der vorgeschlagenen Frage an die Bürger. Es sollte deutlich werden, dass es sich bei dem neu zu erschließenden Areal nicht nur um den Flugplatz, sondern auch um landwirtschaftliche Flächen und wertvolle Biotope handelt.

Dies führte zu einem flammenden Plädoyer des Oberbürgermeisters für die Wirtschaft. Diese interessiere die Wähler laut Umfragen viel mehr als der Umweltschutz. Der Grund unseres Verschiebungswunsches blieb dabei außen vor.

Das Gremium stimmte nach hitziger Diskussion für die Erschließung eines neuen Gewerbegebietes von zunächst 20 Hektar und für eine unveränderte Fragestellung zum Bürgerentscheid am 8. März.

Wir hoffen, dass zu diesem Zeitpunkt die Bürger gut informiert ihre Verantwortung für Wirtschaft und Umweltschutz wahrnehmen können.

Dr. med. Annette Steinhausen, Mitglied der Grünen Gemeinderatsfraktion Offenburg

 

 

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