Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zu Besuch im digitalen Sitzungszimmer Ortenau

Beim 10. Digitalen Stammtisch am 2. Juni sprach Alexander Bonde zum Thema „Wo steht Öko nach der Krise? Neue Zeiten – neue Antworten“.

2020 hätte das große Jahr der Umweltthemen werden sollen. Aufgrund der Pandemie wurden nun aber sowohl die für Herbst geplante Klimakonferenz in Glasgow (bei der die endgültige Umsetzung des Pariser Klimaabkommens auf der Tagesordnung gestanden hätte) als auch die Biodiversitätskonferenz in Kunming verschoben. Alex betonte aber, dass die Themen Klima und Artenschutz hochbrisant und nicht vom Tisch seien.

Mit dem Ausbruch der Pandemie in Europa wurden Wirtschaft und Alltag stark heruntergefahren. Die Vorstellung „super, das hilft der Ökologie“ sei weit verbreitet, doch Alex relativierte diese Ansicht. Anfang April sei in Deutschland der Verkehr im Vergleich zum Vorjahr um 26 % zurückgegangen, weltweit um 17 %. Selbst diese Zahlen seien noch weit entfernt vom Ziel des Klimaabkommens und so habe der Lockdown die Dimensionen des CO2-Problems verdeutlicht. Die aktuelle Frage sei, wie man nun die Konjunktur wieder ankurbeln solle. Die Wirtschaft müsse gestärkt werden, ohne die Ökokrise dadurch zu befeuern. Vielmehr könnten im Optimalfall gleichzeitig auch ökologische Ziele gefördert werden. Der Generalsekretär verwies darauf, dass das Öko-Institut hierzu Anregungen liefere. Nun würden in vielen Kernbereichen die Weichen für die nächsten 50 – 60 Jahre gestellt werden, und das sei entscheidend für den Klimaschutz.

Austausch mit Zuhörern

Klimaschutz hinge gerade in den Bereichen Verkehr und Gebäude viel von den Kommunen ab. Nun seien Weichenstellungen notwendig und jetzige Investitionen müssten alle aktuellen Krisen im Blick haben. Kommunen beziehen einen Großteil ihrer Einnahmen aus der Gewerbesteuer und in den nächsten Jahren sei mit starken Finanzeinbußen zu rechnen. Dennoch müssten die Kommunen handlungsfähig sein, was nächste Woche auch auf Bundesebene thematisiert werde.

Angesprochen auf den Zukunftspakt der Grünen meinte Alexander, dass er sich teilweise präzisere Maßnahmen hätte vorstellen können. Wichtig sei, sich als Oppositionspartei immer wieder bemerkbar zu machen. In derzeitigen Debatten sollten seiner Meinung nach die tatsächlich auch ökologisch ausgerichteten Einschätzungen der Wirtschaftsweisen im Mittelpunkt stehen.

Die Meinung eines Zuhörers, dass mit der Corona-Krise das Bewusstsein für Naturzerstörung bei vielen in Vergessenheit geraten sei, entkräftete Alex. Er verwies auf eine Umfrage der DBU die ergeben habe, dass 60 % der Befragten die Klimakrise für längerfristiger als die Corona-Krise hielten. Er beurteile die Stimmungslage eher positiv. Viele Wirtschaftsakteure seien so ökologisch wie noch nie, blieben nach wie vor auf einem positiven Kurs, wobei sie sich allerdings mehr politische Unterstützung wünschten.

Als Antwort auf die Frage, wie sich grüne Ideen praktisch in der Poltik umsetzen ließen, führte Alex als Positivbeispiel die Einführung der Solarpflicht auf Nicht-Wohngebäuden an. Die Grünen könnten Impulse geben. Auch kommunalpolitisch gebe es derzeit viel Handlungsspielraum, bspw. bei der regionalen Wirtschaft. Grüne Diskussionen sollten offen angegangen und die Chance, „in kleinen Schritten nach vorne zu gehen“, bei Debatten nicht unterschätzt werden.

Gegen Ende wurde Alexander Bonde noch darauf angesprochen, dass häufig – wie z.B. in der Automobilindustrie – die Meinung herrsche, die Politik werde es wirtschaftlich schon wieder richten. Er betonte, der Eindruck „to big to fail“ sei falsch. Es gelte, gerade bei Kernindustrien, die Innovationskraft „herauszukitzeln“. Bei uns werde i.d.R. die Meinung vertreten, Neues müsse aus Altem hervorgehen, aber alle großen Firmen in den USA hätten ihren Siegeszug als Newcomer angetreten. Nun bräuchte es Signale, um zu Innovationen zu ermutigen.

Der Kreiverband Ortenau bedankt sich bei Alex für seinen Besuch im digitalen Sitzungszimmer.

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