Alle an einen Tisch bringen – Gesprächsrunde zum Mountainbikefahren im Wald mit den Landtagsabgeordneten Sandra Boser und Thomas Marwein

Pressemitteilung

Der Schwarzwald erfreut sich großer Beliebtheit – bei Touristinnen und Touristen, Erholungssuchenden ebenso wie bei Sportlerinnen und Sportlern. Während der Corona-Pandemie hat die Nutzung des Waldes für Freizeitaktivitäten weiter zugenommen. Diese erfreuliche Entwicklung hat jedoch auch neue Aufmerksamkeit auf Nutzungskonflikte zwischen den verschiedenen Interessensgruppen gelenkt: Naturschützer sorgen sich um Tier- und Pflanzenwelt, Wandernde und Spaziergehende möchten die Ruhe genießen und Mountainbikefahrende wollen möglichst einschränkungsfrei ihrem Sport nachgehen. Hinzu kommen die Anliegen und Rechte der Jäger und der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. In dieser Gemengelage fühlen sich Vertreter des Mountainbikesports durch die aktuelle Rechtslage benachteiligt – das Landeswaldgesetz erlaubt das Radfahren nur auf zwei Meter breiten Wegen, Single Trails oder andere Strecken auf weniger breiten Wegen müssen extra ausgewiesen werden. DieseAusweisung erweist sich in der Praxis als kompliziert. Andreas Scheibel, begeisterter Mountainbiker aus Offenburg, kontaktierte die beiden Ortenauer Landtagsabgeordneten der Grünen, Sandra Boser und Thomas Marwein, um auf die Problemlage aus seiner Sicht hinzuweisen.

Die beiden Abgeordneten initiierten daraufhin eine Gesprächsrunde, die am 23. Oktober digital per Videokonferenz stattfand. Außer Herrn Scheibel nahmen an der von Thomas Marwein moderierten Diskussion teil: Heiko Mittelstädt von der Deutschen Initiative Mountainbikes (DIMB e.V.), die Tourismusbeauftragte des Ortenaukreises, Sandra Bequier, der Leiter des Amts für Waldwirtschaft Hans-Georg Pfüller, sowie Sascha Hotz von der Schwarzwald Tourismus GmbH.  

Im Jahr 2014 wurde eine von der Deutschen Initiative Mountainbike initiierte Petition zur Abschaffung der Zwei-Meter-Regel im Landtag abgelehnt, das zuständige Ministerium für den ländlichen Raum bemühte sich jedoch um die Unterstützung lokaler Ausnahmeregen und organisierte einen Runden Tisch mit allen betroffenen Gruppen. An einigen Orten, wie etwa in Freiburg, seien erfolgreich beliebte Single-Trails für Mountainbikes ausgewiesen worden, so Hotz, der den damaligen Dialogprozess auf Landesebene lobte. Auch in der Ortenau habe man mit den Gemeinden und dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord die Ausweisung von acht Trails vereinbart – „davon konnten allerdings lediglich zwei realisiert werden“, berichtete Sandra Bequier. Die Forststruktur in der Ortenau erschwert eine Lösungsfindung, da sich ein großer Teil des Waldes und auch große Flächen mit 20 Hektar oder gar 50 Hektar in privater Hand befinden. Pfüller warb um Verständnis für die Privatwaldbesitzer, diese stünden ohnehin stark unter Druck durch das in Deutschland besondere Betretungsrecht ihrer Wälder, die zunehmende Nutzung, Haftungsfragen sowie die aktuellen Waldschäden.  

Heiko Mittelstädt verwies auf die Empfehlungen der Bundesplattform „Wald – Sport, Erholung, Gesundheit“ (WaSEG) aus dem Jahr 2019, wonach das Radfahren bundeseinheitlich auf „allen geeigneten Wegen“ erlaubt sein sollte, was der Empfehlung nach grundsätzlich „alle Wege in festem Zustand“ seien. Mittelstädt monierte, dass Baden-Württemberg stattdessen an der Zwei-Meter-Regel festhalte: „Warum sollen hier für Waldbesitzer andere Regeln gelten als in Nachbar-Bundesländern?“. Im Gegenzug für die Aufhebung der bislang in Baden-Württemberg eingeschränkten Duldungspflicht verwies Mittelstädt erneut auf die WaSEG, die eine stärkere, auch monetäre, Wertschätzung der Ökosystemleistungen der Waldbesitzer anrege. Große Einigkeit bestand darin, dass ein Zugehen auf die Privatwaldbesitzer unverzichtbar ist. Um deren gesellschaftlichen und ökologischen Beitrag anzuerkennen und ihre Belange zu berücksichtigen, ist für Sandra Boser etwa eine Wiederauflage der 2006 abgeschafften Ausgleichszulage denkbar. Bequier erläuterte, dass zudem eine bessere Aufklärung hinsichtlich der oft unbegründeten Haftungssorgen der Waldbesitzer eine wichtige Maßnahme wäre.  

Thomas Marwein betonte die Dialogbereitschaft der Grünen-Landtagsfraktion – „Wenn der Status Quo für niemanden wirklich zufriedenstellend ist, muss die Politik nachjustieren. In möglichen Koalitionsverhandlungen können wir uns für Verbesserungen einsetzen, ebenso wie für eine Wiederbelebung des eingeschlafenen Runden Tischs auf Landesebene“, so der Abgeordnete. „Wir stehen dem Radsport als umweltfreundlicher Freizeitaktivität natürlich sehr nahe und sind an guten Lösungen interessiert, dazu müssen auch die Waldbesitzer miteinbezogen werden, die ihren Wald der Allgemeinheit als Erholungsort zur Verfügung stellen.“, bekräftigte Boser und bot Unterstützung an, sollte der Wunsch nach weiteren lokalen Gesprächsrunden bestehen. 

Sascha Hotz kam zum Abschluss noch einmal auf die positive Seite der Waldnutzung zu sprechen: Gerade für junge, aktive Menschen und Familien hätten sich das Image und die Attraktivität des Schwarzwaldes in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Der Schwarzwald-Tourismus boomt insbesondere seit der Corona-Pandemie. „Und die Leute werden auch in Zukunft wiederkommen“, ist sich Hotz sicher.

Bild (v.l.n.r.): Thomas Marwein, Sandra Boser, Heiko Mittelstädt, Andreas Scheibel, Sandra Bequier, Hans-Georg Pfüller, Sascha Hotz

©Wahlkreisbüro Thomas Marwein MdL

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