Sandra Boser zu Besuch im digitalen Sitzungszimmer Ortenau

Beim 7. digitalen Stammtisch des KV Ortenau ging Sandra Boser MdL auf das Thema „Bildung in Zeiten von Corona“ ein.

Einleitend betonte die bildungspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, welch belastende Zeiten dies für Lehrer, Eltern und Kinder seien, dass sie die Schul- und Kindergartenschließungen aber für richtig halte.

Rückblick auf die ersten Wochen mit Corona-Maßnahmen

Positiv hob Sandra hervor, dass Beschlüsse auf Bundesebene mitgetragen worden sind, obwohl sie eigentlich Ländersache seien. Auch die digitale Entwicklung an einem Großteil der Schulen habe in den letzten Wochen große Fortschritte gemacht. Sandras Ansicht nach sei es richtig, Abschlussprüfungen nun nachzuholen. Sie bemängelte, dass das Kultusministerium die Schulen von Anfang an viel zu wenig unterstützt habe. So sei auch bis jetzt noch nicht klar, wie Sicherheitsregeln nach den Pfingstferien an Schulen umgesetzt werden könnten.

Ein Elternvertreter unter den Zuhörern ergänzte, dass der Informationsfluss von Seiten des Kultusministeriums bzw. der Kultusministerin gegenüber Schulleitern und Elternvertretern bisher recht mangelhaft ausgefallen sei.

Sandra berichtete, dass aufgrund von Vorerkrankungen oder altersbedingt 50 % der Erzieher*innen nicht vor Ort eingesetzt werden könnten, bei den Lehrer*innen seien es 40 %.

Bezüglich Notbetreuung habe BaWü im Vergleich zu anderen Ländern einen riesen Schritt getan und derzeit sei die Notbetreuung im Ortenaukreis nicht voll ausgelastet.

Austausch mit Zuhörern

Eine Zuhörerin sah es als problematisch an, dass aufgrund der Corona-Krise alle Schüler*innen versetzt werden sollen. Dies impliziere, dass bei einem Versetzungszeugnis aus Klasse 10 am G8 oder aus Klasse 11 am G9 die Schüler*innen automatisch einen Abschluss hätten, was gegenüber denjenigen, die an den Realschulen Prüfungen machen müssen, zu Ungerechtigkeiten führe. Sandra bestätigte dies und betonte, es sei auch noch nicht geklärt, wie man mit Unterkursen bei Abiturienten umgehen werde.

Auf die Anmerkung, dass in vielen Haushalten digitale Endgeräte fehlten erwiderte Sandra, dass in den letzten Jahren viele Gelder an anderer Stelle versickert seien. Ihrer Meinung nach sollten Bibliotheken und derzeit ungenutzte Verwaltungsbereiche mit entsprechender technischer Ausstattung als Anlaufstelle für „bedürftige“ Kinder in Betracht gezogen werden.

Einige Zuhörer bemängelte Rechtsunsicherheiten beim Gebrauch verschiedener Tools und die schlechte Qualität datenschutzrechtlich empfohlener Plattformen etwa für Videokonferenzen. Außerdem dürften dauerhafte Lockerungen des Datenschutzes von den Grünen nicht unterstützt werden. Sandra bestätigte, dass es vom Land zu wenig digitale Vorarbeit gegeben habe. So war auch die Einrichtung der Bildungsplattform „Ella“ gescheitert und an der Weiterentwicklung der Lernplattform Moodle arbeite das Kultusministerium zu wenig.

Eine Schulsozialarbeiterin unter den Zuhörern merkte an, dass ihre Berufsgruppe über eine breite und teure Ausbildung verfüge, aber es in ihrem Bereich kaum Vollzeitstellen gebe, obwohl nicht nur in Coronazeiten der Bedarf sehr groß sei. Sie bemängelte die geringe Bezahlung ihrer Berufsgruppe und verwies auf die wichtige Rolle, die Schulsozialarbeiter*innen zukomme, um „untergetauchte“ Schüler*innen zu erreichen.

Ausblick

Sandra betonte, im Bildungsbereich sei nur eine stufenweise Rückkehr zur Normalität möglich. Insbesondere Sport, Kultur, Kunst und Musik kämen derzeit zu kurz, aber auch durch die Heimarbeit abgehängte Kinder gelte es aufzufangen. Sandra appellierte an die Kommunen, im Sommer Zusatzangebote zu organisieren und sich wegen möglicher Unterstützungen auch ans Land zu wenden. Darüber hinaus sprach sich Sandra dafür aus, Betreuungsangebote mit bis zu fünf Kindern einzurichten. Soziale Kontakte fehlten derzeit immens und es müsse zukünftig auch Hilfestellungen auf emotionaler Ebene geben.

Abschließend formulierte Sandra einen positiven Schluss, der aus der Corona-Krise mitgenommen werden könne: wir sähen derzeit, wie wichtig individuelle Förderung sei und dass Analoges durch Digitales nicht ersetzt werden könne.

 

Wir bedanken uns vielmals bei Sandra.

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