Anton Hofreiter zu Besuch beim 37. Digitalen Stammtisch

Beim 37. Digitalen Stammtisch am 8. Dezember durften wir den Grünen Fraktionsvorsitzenden im deutschen Bundestag Anton Hofreiter begrüßen. Mit rund 30 Zuhörern war das Interesse an seinem Thema „Ökologischer Wandel“ groß.

Einleitend verwies Anton darauf, dass global betrachtet derzeit v.a. zwei große Umweltprobleme im Vordergrund stünden: das Artensterben und die Klimakatastrophe.

Ursachen

Als Hauptursache für die Klimakatastrophe nannte Toni die hohe CO2-Freisetzung, wobei er darauf verwies, dass durch die Zerstörung von CO2-speichernden Mooren so viel Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre freigesetzt werde wie durch den gesamten Flugverkehr in Deutschland.

Das Artensterben sei überwiegend auf industrielle Landwirtschaft zurückzuführen. In den Tropen hätten der Artenschwund und Naturverlust besonders drastische Auswirkungen. Wissenschaftler verweisen darauf, dass tausende bisher unentdeckte Arten dort noch vor ihrer Entdeckung aussterben werden. Darüber hinaus stellten zunehmend verheerende Waldbrände wie in Brasilien eine große Gefährdung für die Tier- und Pflanzenwelt dar. Aber auch in Europa bedroht Landwirtschaft die Artenvielfalt. Wichtige Ökosysteme wie Halbtrockenrasen und Kulturlandschaften wären nur noch als „kleine Naturreste“ vorhanden oder entstünden erst allmählich wieder in Nationalparks.

Gegen Ende seines Inputvortrags kam Anton auch noch kurz auf das Ökosystem Meer zu sprechen. Hier seien die beiden Umweltprobleme Artensterben und Klimakatastrophe eng verknüpft. Als Beispiel führte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag die durch Klimaerwärmung zunehmende Zerstörung von Korallenriffen an. Überdüngung stelle eine weitere Bedrohung dar, wobei auch die Ostsee unter einem Überdüngungsproblem leide.

Lösungsansätze

Um den Umweltproblemen unserer Zeit entgegenzuwirken, ging Toni auf folgende notwendigen Veränderungen ein:

  • Energiewende: Die Energiewende müsse wieder an Fahrt aufnehmen. Dies beinhalte u.a. mehr Windkraft- und v.a. Photovoltaikanlagen, einen beschleunigten Kohleausstieg sowie einen gut funktionierenden Emissionshandel.
  • Verkehrswende: Die von den Grünen geforderte Verkehrswende basiert auf zwei Säulen. Säule 1 beinhaltet das Prinzip „Städte der kurzen Wege“ und die klassische Mobilitätswende, die auf das Bewusstsein der Bevölkerung setzt. Säule 2 umfasst die auf technologische Veränderungen bezogene Energiewende im Verkehr, die sogenannte „Antriebswende“.
  • Wärmewende: Die Sanierungs- und Dämmquote müsse steigen, sowie mehr grüner Wasserstoff in der (Stahl-)Industrie eingesetzt werden.
  • Landwirtschaftswende: Toni ließ die Zuhörer wissen, dass wir zwei Erden bräuchten, wenn der Fleischkonsum überall auf der Welt so hoch wäre wie in Europa. Die Fleischproduktion habe einen enormen Flächenverbrauch zur Folge, was in hohem Maße den großen europäischen Sojaimporten als Futtermittel zu verschulden sei. Um dem entgegenzuwirken, müssten mehr Gelder für Artenschutz ausgegeben, Änderungen im Kartellrecht vorgenommen, das Mercosur-Abkommen gestoppt, weniger Pestizide eingesetzt, Biotopverbundsysteme gefördert und Moore geschützt werden. Des Weiteren brauche es mehr naturnahe Flächen in der Forstwirtschaft, mehr Nationalparks und gut gemanagte Kulturlandschaftsprogramme.
  • Gewässerschutz: Von großer Bedeutung sei beispielsweise die Erhöhung bzw. Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Flüssen, wobei es hierfür bereits gute Maßnahmenpakete gebe.

Abschließend hielt Toni fest, dass die einstige Aussage von Willi Brandt „Hauptsache, die Richtung stimmt“ heute nicht mehr zutreffe. Stattdessen müsse es nun heißen „Die Richtung muss Stimmen und die Geschwindigkeit“, denn wir hätten nur noch dieses Jahrzehnt. Nicht weniger als die Rettung unserer eigenen Lebensgrundlagen stehe auf dem Spiel. Es gehe inzwischen nicht mehr um die Zukunft „abstrakter Generationen“, sondern um die Zukunft der heutigen Kinder und Jugendlichen.

Wir bedanken uns bei Anton Hofreiter für seinen Besuch bei unserem 37. Digitalen Stammtisch.

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