Offenblatt: Leiharbeiter als Manövriermasse? – Stefan Böhm

Vor 10 Jahren hat Burda 200 Hilfskräften gekündigt. Einige wurden bald wieder eingestellt: aber dann als Leiharbeiter, zu weit geringerem Lohn.

Jetzt erhielten Arbeitskräfte, die an den Tiefdruckbetrieb  „verliehen“ sind,  von ihrer Personalagentur eine Änderungskündigung: Reduzierung der monatlichen 130 auf 100 Stunden oder „Trennung“! Mit 130 Stunden liegt der Lohn knapp über 1000€. Das ist schon wenig. Wem dann der Lohn für 100 Stunden nicht zum Leben reicht, der ist zur Kündigung gezwungen: Menschen, die  z.T. lange für Burda gearbeitet haben, stets in der Hoffnung auf Festanstellung.

Auf dem Hintergrund eines hart umkämpften Tiefdruckmarktes fahren momentan zwar auch festangestellte Mitarbeiter mit ihrem flexiblen Arbeitszeitkonto ins Minus. Doch ihre Interessen werden zu Recht durch den Betriebsrat vertreten. Leiharbeiter haben diese Interessenvertretung nicht.

Es gibt durchaus positive Beispiele von Firmen, die Leiharbeits- in feste Arbeitsverhältnisse umwandeln, aber viele Leiharbeiter machen eine andere Erfahrung: Sie müssen sich vorkommen wie die Manövriermasse des Arbeitsmarktes, finanziell eingeschränkt und existenziell verunsichert.

Soziale Ungerechtigkeit hat ein Gesicht: vor Ort und nicht nur in der Statistik.

Offenblatt, 2.4.2016

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