Oststadtschule und Schulforum

Wir Grünen haben uns für eine Gemeinschaftsschule Oststadt engagiert. Die Gründe finden sich auf www.gruene-offenburg.de. Den unerfreulichen Folgen aktueller schulpolitischer Entscheidungen wollen wir uns nicht umstandslos fügen.

Die Anne-Frank-Grundschule und das Bunte Haus haben Großes vor: Neubau, Ganztagspädagogik und räumliche Entspannung an der Oststadtschule – also auch ein Gewinn für die Erich-Kästner-Realschule!

Mit dem Erich-Kästner-Votum gegen die Gemeinschaftsschule entfalle allerdings – so Bürgermeister Dr. Jopen – die Zuschussgrundlage für den Grundschulneubau, der vom Land nur im Zusammenhang mit dem Umbau der Erich-Kästner-Real- zur Gemeinschaftsschule unterstützt werde. Das war uns so bisher nicht dargestellt worden und es leuchtet uns auch nicht ein: Die Anne-Frank als Ganztagsschule braucht zwingend neue Räume, die im sowieso beengten Oststadtschulgebäude nicht vorhanden sind. Wir meinen: In dieses Vorhaben wurde jahrelang viel Engagement, Zeit und Hoffnung investiert. Es sollte am Erich-Kästner-Veto nicht scheitern! Falls wirklich die Landeszuschüsse ausbleiben, sind andere Finanzierungswege zu prüfen! Der Politik sollte eine Ganztagsgrundschule Anne-Frank mit integriertem Buntem Haus und eine Realschule unter entspannten räumlichen Arbeitsbedingungen sehr viel wert sein.

Mit Blick auf ganz Offenburg werben wir nach Ablehnung der Gemeinschaftsschule durch die beiden Realschulen für eine Überprüfung des Blickwinkels. Man sollte vor dem Streit um Schulmodelle immer wieder grundsätzlich fragen: Welchen Kindern müssen die besonderen Anstrengungen der Bildungspolitik gelten?

Unserer Ansicht nach v.a. den Kindern mit Haupt-oder Werkrealschulempfehlung. Die Pädagogik muss sie aus dem Status der Bildungsverlierer herausholen und ihnen Chancen in Gesellschaft und Arbeit eröffnen. Der Standort dieser Pädagogik ist kaum noch die Werkrealschule: Denn der Haupt- oder Werkrealschulabschluss findet in Wirtschaft und Gesellschaft immer weniger Akzeptanz; die Kinder mit Werkrealschulempfehlung drängt es an die Realschule. Bei dauerhaftem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung ist klar: In den Realschulen werden Lerngruppen mit unterschiedlichen Leistungsniveaus (heterogene Lerngruppen) noch mehr als bisher die Regel sein Also ist die Förderung der Kinder mit Haupt- oder Werkrealschulempfehlung eng verzahnt mit der pädagogischen Entwicklung der Realschule.

Ist unser Vorschlag „Gemeinschaftsschule“ in dieser Situation ein guter Weg? Könnten Gemeinschaftsschulen in Offenburg in der Konkurrenz mit benachbarten Realschulen bestehen? Oder wollen wir eher eine Realschule mit erweitertem pädagogischem Profil Richtung Individualisierung und mit dem Angebot einer Hauptschulprüfung in der 9.Klasse? Oder ein wählbares Nebeneinander beider Modelle? Vielleicht die Verbundschule?

Und das sind nicht die einzigen Fragen, die im Raum stehen: Welche Bedeutung gewinnt ein flächendeckendes Wahlangebot von gebundenen oder offenen Ganztagsschulen, von Halbtagsschulen mit und ohne Hortangebot? Können Standorte gefährdeter Werkrealschulen gesichert werden; unter welchen Bedingungen? Was sind die Perspektiven gefährdeter Grundschulstandorte wie in Weier? Muss nicht auch der Wechsel der Grundschulförderklasse von der Anne-Frank- an die Astrid-Lindgrenschule neu diskutiert werden?!

Angesichts dieser grundsätzlichen Fragen wird eine gute Kommunikation aller Beteiligten immer wichtiger. Die bisherigen Entscheidungsprozesse hatten ihre Schwächen. Gute Kommunikation besteht unserer Ansicht nach nicht nur aus Information, sondern auch aus der frühen Einbeziehung aller potentiellen Interessengruppen, aus Zeit zur Informationsverarbeitung, zum Abwägen und Nachdenken, aus Gelegenheit zu gründlichem Austausch mit gleichen Redeanteilen und aus einem sichtbaren Niederschlag der verschiedenen Beiträge im Endergebnis.

Wir meinen, die breite Kommunikation und Diskussion der oben genannten grundsätzlichen Fragen sollte die Erarbeitung und Festlegung neuer konkreter Vorschläge für die Offenburger Schullandschaft von Anfang an begleiten. Die Betroffenen – von den Schüler/innen über Eltern (auch aus Kindergärten), Lehrkräfte und Politik bis hin zu den Jugendabteilungen der Sportvereine, den Dozenten der Musikschule oder den Ortsverwaltungen – müssen einbezogen werden.

Wir schlagen ein Schulforum vor, dessen Rahmen, Abläufe und Befugnisse noch genauer zu bestimmen wären.

Stefan Böhm

PM_Oststadtsch_und_Schulfor_2702-2014.pdf

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